Part 6 ( Das finale )

Das Ende
Nach dem sechsten Prinzen rief Maria den Hofältesten zu sich, setzte sich auf den Thron, der ihr seit Jahren zu groß war, und sagte klar und deutlich: „Ich werde nicht heiraten.“
Der Hofälteste ließ den Stab sinken. „Majestät, das Reich braucht…“
„Das Reich braucht, was ich ihm gebe“, sagte Maria. „Zehn Jahre lang hab ich Prinzen geprüft. Zehn Jahre, und keiner hat das erfüllt, was meine beste Freundin das Barely Minimum nennt: zuhören, ehrlich sein, nicht lügen und die Suppe selbst kochen. Ick seh nicht ein, mich weiter zu quälen. Ich regiere allein.“
Der Hofälteste räusperte sich und holte seine Brüder aus den Nebenräumen. Sie kamen in Pelzmänteln und Ahnenbärten, und der Älteste von ihnen sprach mit gesenkter Stimme, als redete er mit einem Kranken. „Das ist nicht gesund für eine Frau. Sie braucht einen Mann. Sie braucht ein Kind.“
„Dann zieh ich mein Kind mit Prinzessin Fiona groß“, sagte Maria. „Meiner besten Freundin.“
Es wurde still im Saal. Dann begannen alle gleichzeitig zu brüllen. „Das ist gegen die Natur! Gegen die Männer! Gegen das ganze Reich!“ Einer stieß seinen Stab so hart auf, dass der Boden Risse bekam.
Fiona trat vor, die Arme verschränkt. „Dann sucht mir eine rechtliche Lösung“, sagte sie. „Ich will Angebote.“
Die Ältesten steckten die Köpfe zusammen. „Sie könnte einen Mitregenten aus dem Regenbogenland heiraten“, flüsterte einer. „Einen Prinzen, der sich für Frauen nicht interessiert. Nur auf dem Papier, versteht sich.“
„Warum muss es überhaupt ein Prinz sein?“, fragte Fiona.
„Weil zwei Frauen nicht heiraten können. Das lässt das Gesetz nicht zu, das gibt’s nicht, das wäre ja…“ Der Älteste suchte nach dem Wort. „…zu viel.“
„Zu viel“, wiederholte Maria. „Und sechs Fässer voller Nägel für sechs Prinzen waren nicht zu viel.“
Die Weisesten des Landes zogen sich zurück und wälzten Gesetzbücher, Chroniken und Pergamentrollen. Sie suchten ein Jahr lang. Der Staub in der Bibliothek lag so dick, dass man Spuren darin lesen konnte, und am Ende hatten sie neunzehn Gutachten geschrieben und keine einzige Lösung gefunden, die ihnen selbst gefiel.
Da hob der alte König seine Hand. Er war schon seit Wochen müde, mit Bart und Pflicht, aber an diesem Tag sah man, dass er zum ersten Mal richtig hinhörte. „Weißt du was“, sagte er. „Wenn sie nicht heiraten will, dann will sie nicht. Schwamm drüber. Ick hab sie sechsmal jeschickt, und sechsmal is sie zurückjekommen. Det reicht mir als Antwort.“
So erbte Maria das Land. Sie regierte es mit klarem Kopf und ohne Prinzen, sie ließ die Spiegel aus dem Folterkeller wieder in den Saal hängen, und sie fragten sie jeden Morgen, ob sie sich heute schön fand. Sie sagte meistens ja. Prinzessin Fiona wohnte im Ostflügel, und das Kind, das später kam, wuchs mit zwei Müttern auf, die keine Hochzeitsurkunde brauchten, um sich zu mögen.
Nachts, wenn das Schloss still war, saß Maria am Fenster, mit zwei Katzen auf dem Schoß. Sie zog ihren Handspiegel hervor, öffnete die Liste, die sie damals auf dem Tor begonnen hatte, und strich das letzte Wort durch.
Dann klappte sie das Buch zu und ging schlafen.
Moral: Wer lange genug sucht, findet vielleicht keinen Prinzen. Aber ein Reich, zwei Katzen und eine beste Freundin sind auch kein schlechtes Ende.

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